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Biebesheimer Lego-Baukasten

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Überdachungen, Überdachung, Fahrradständer

Metallbaubetriebe gibt es viele in der Region. Spezialisten sind sie nicht alle. Und international unterwegs nur wenige. Einer dieser besonderen mittelständischen Familienbetriebe ist die Orion Bausysteme GmbH aus Biebesheim, die auch im Ausland erfolgreich ist. Unddie mutig in die Zukunft investiert, um weiter zu wachsen.

Da wird gebohrt, geflext, geschweißt und gebogen. Konzentriert gehen die Metallspezialisten zwischen hohen Regalen in der gut geheizten und großen Halle ihrer Arbeit nach. Ein Roboter hilft, das meiste aber ist Handarbeit. Industrialisiertes Handwerk eben. Auf der einen Seite lagern Metall-Rohlinge, auf der anderen transparente Kunststoffplatten. Man braucht Fantasie, um sich vorzustellen, was daraus wird.

Radstation Fürstensteg am Hauptbahnhof

Nach externen Arbeitsgängen wie dem Feuerverzinken oder Pulverlackbeschichten bei Partnerbetrieben entstehen daraus schicke Wartehäuschen an Busbahnhöfen, ausgeklügelte Fahrrad- Parksysteme, auch zwei oder dreistöckig, Bike-Boxen mit der Möglichkeit Pedelecs aufzuladen, oder kleine Garagen für Rollatoren. In einem Showroom ist das komplette Programm zu begutachten, dargestellt in szenischen Bildern mit Hintergrundfotos und Schaufensterpuppen, nett illuminiert. Und funktionstüchtig wie die Pressluft-Luftpumpeneinheit oder die E-Rad- Stromtankstelle. Auch vor der Halle ist zu sehen, was drinnen so entsteht. Oder am Hauptbahnhof in Darmstadt, wo man die Radstation Fürstensteg gebaut hat, ebenso wie beispielsweise Fahrgastunterstände und überdachte Fahrradabstellplätze für Heag Mobilo an der neuen Wendeschleife der Straßenbahn in Griesheim oder Alsbach. Die Idylle in dem Gewerbegebiet hält sich aber ansonsten in Grenzen. Wenn man sich Biebesheim aus Richtung Darmstadt nähert, sieht man links nämlich zunächst die mächtige Sondermüllverbrennungsanlage der HIM samt Rauchwolken, rechts das riesige neue Fresenius-Lager. Geradeaus weiter in der Waldstraße, die nur so heißt, befindet sich die Basis der Firma Orion GmbH. Der Zusatz Bausysteme grenzt das Ganze sachorientiert ein für all jene, die im Internet googeln. Und doch fragt mancher nach dem eigentlichen Ursprung des Namens. Jörg Suckow (50), zusammen mit Bruder Frank (53) geschäftsführender Gesellschafter, der eine Diplom-Kaufmann, der andere Diplom-Ingenieur, hat die Erklärung parat. Vater Klaus war vom Raumschiff Orion mit Vivi Bach und Dietmar Schönherr in der TV-Serie so angetan, dass er sich diesem Sternenbild verschrieb. Und seine zweite Firmengründung eben so nannte. Mit Suckow + Fischer, dem Firmennachbar, wurde einst dafür der unternehmerische Grundstein auch finanzieller Natur gelegt. Doch längst sind beide Geschäfte strikt voneinander getrennt. Wobei man keinesfalls im Bösen auseinandergegangen ist, wie Jörg Suckow betont. Man nutzt zudem noch gemeinsam das Verwaltungsgebäude, tauscht sich aus, doch das war es dann auch. Die eine Familie hier, die andere dort. Bei Orion geht es vereinfacht gesagt um Rohre und Profile, bei Fischer um Feinbleche für Deckenkonstruktionen.

An einem Hochlohnstandort wirtschaftlich zu produzieren, das verlangt einiges. Etwa Qualitätsführerschaft, was sich in entsprechenden Preisen niederschlägt. Eine große Nähe zu potenziellen Kunden, dicht am Markt zu sein und besonders innovativ. Diverse Patente und Schutzrechte zeugen davon. So etwa das schraubenlose Spannsystem für Überdachungen. Damit wird gewährleistet, dass sich Acrylglas-Platten bei thermischen Einflüssen spannungsfrei bewegen können und eben nicht reißen. Aber natürlich auch ein intelligentes Produktionssystem ist nötig. Kaufmann Suckow nennt das Lego-Baukastensystem. Denn modulare Konstruktionen haben nun mal auch hier viele Vorteile. Orders sind schneller abzuwickeln, weil alles schon im Regal liegt. Es ist kostengünstiger, weil die Stückzahlen größer sind. Zugleich bieten die bewährten Komponenten eine solide Basis für Neues. In der Entwicklung arbeiten elf Techniker und Ingenieure – und manche Idee stammt vom Radfahrerclub ADFC. Dass Extrawünsche der Kunden auch erfüllt werden, versteht sich von selbst. Aber insgesamt hat man so die Lohnstückkosten im Griff, was wichtig ist, weil man in der Region gute Löhne zahlen muss, um an Fachkräfte zu kommen. Das tut man, ohne den Metalltarif zu zahlen – sondern mehr. Dass sich auf eine offene Stelle heutzutage nur noch fünf Bewerber melden statt 50 wie vor Jahren, das sei Ausdruck des demografischen Wandels, sagt Suckow. Dennoch bildet man im gewerblichen Bereich nicht aus. Dazu müsste man einen eigenen Werkzeugbau haben – „unwirtschaftlich“, wie es heißt. In der Verwaltung dagegen lernen drei junge Menschen den Job, bald vier. In Biebesheim arbeiten somit insgesamt 50 Frauen und Männer, am 1995 gegründeten Standort Neustadt bei Dresden 25. Hintergrunddes Engagements inSachsen: Nach Wegfall der Mauer kamen einige Beschäftigte von dort nach Biebesheim. Sie wollten aber irgendwann zurück – und Vater Klaus Suckow sah sich in der Pflicht mitzuhelfen, dass sich dort etwas bewegt.

2012 war für Orion ein gutes Jahr. Schließlich stieg der Umsatz mehr als in den Jahren zuvor, und zwar um zehn Prozent auf rund zehn Millionen Euro. Auch der Ertrag sei okay, rote Zahlen wurden in der Firmengeschichte nie geschrieben. Was mindestenssowichtig ist: Bankschulden hat das Unternehmen nicht. Vielmehr denken die Suckow-Brüder, echte Biebesheimer im Übrigen, eher darüber nach, ihren Stahlvorrat aufzustocken. Denn die Preise seien momentan relativ günstig, es deuteten sich aber Steigerungen an. Weil es bei der Bank für anlagesuchendes Geld kaum Zinsen gibt, locke hier mehr Rendite. Denn 250 bis 300 Tonnen Stahl werden pro Jahr benötigt. Auch wenn die Konjunktur etwas schwächelt, bei Orion sieht es noch ganz gut aus. Aus dem vergangenen Jahr gibt es einen Auftragsüberhang. „Wir können uns nicht beklagen“ heißt es, selbst wenn derzeit nur im Einschicht-Betrieb gearbeitet wird. Denn die Kommunen, die für 60 Prozent aller Orders stehen, haben ihre Haushalts- und Investitionspläne noch nicht verabschiedet. Im Frühjahr wird wie jedes Jahr eine Belebung erwartet, was später in einer zweiten Schicht mündet. Über Zeitkonten wird das dann geregelt. Wollte man der Billigste sein, wäre das der Todesstoß, heißt es. Anforderungen wie hierzulande etwa in Bezug auf Wind- oder Schneelasten sind im Ausland aber oft unbekannt. Deshalb könne Orion jenseits der Grenzen nur mit Handelspartnern erfolgreich sein – was jüngst bei einer Fahrrad-Parkstation in Malmö bestens geklappt hat. Auch bei der Begleichung der Rechnung von 830 000 Euro – für Orion ein Großauftrag. Das ist ein wichtiger Punkt, denn die öffentliche Hand ist nicht eben für gute Zahlungsmoral bekannt. Die meisten Bestellungen liegen ansonsten zwischen 50 000 und 100 000 Euro. Die Exportquote von aktuell 25 auf über 30 Prozent zu steigern, das ist ein Ziel. Aber natürlich auch Zuwachs im Inland; drei bis fünf Prozent Plus in den kommenden Jahren stehen im Plan. Messeteilnahmen helfen dabei, an neue Kunden zu kommen. Und neben einem kompetenten Außendienst Mundpropaganda. Nachdem 2011 zwei Rohrbiegeanlagen für eine Million Euro angeschafft wurden, soll 2013 eventuell in eine hochmoderne Rohrlaseranlage investiert werden. Kostenpunkt etwa eine halbe Million: Voraussetzung, um zusätzliche Absatzkanäle zu erschließen etwa in der Möbel oder Autoindustrie und sich breiter aufzustellen.


„Insgesamt kein
einfaches Geschäft“


Den intensiven Wettbewerb nimmt man sportlich an. Ärgerlich sind für Suckow nur Schlosser oder Stahlbauer, die phasenweise schlecht ausgelastet sind und dann in den Segmenten, in denen Orion tätig ist, den „Preishammer auspacken“ – um sich anschließend zu verkrümeln. Dann müsse man manche Dinge bei der Qualität wieder geraderücken und viel mit teilweise verunsicherten Kunden kommunizieren, die Vorteile der Orion- Produkte darlegen. „Insgesamt kein einfaches Geschäft“. Aber eines, das offenbar Spaß macht. Zumal Jörg Suckow selbst regelmäßig mit dem Mountainbike im Odenwald unterwegs ist. Diese Affinität zum Thema Radfahren hilft bei Lösungen für den Alltag. Ehe es dann wieder heißt – bohren, flexen, schweißen, biegen.

Quelle: Darmstädter Echo, von Achim Preu, Samstag 26.01.2013