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Fahrradparken 2.0 – Kampf dem Radler-Chaos

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Doppelstockparker, Fahrradständer

Berlin kämpft. Mit dem Autoverkehr, sicherlich. Mit der Parkplatznot, auch. Mit seiner Haltung zum Radverkehr, immer noch. Berlin möchte so gern Fahrradstadt sein, wirbt gar um Touristen mit diesem Ruf, hat eine Radverkehrsstrategie auf den Weg gebracht und führt erstmals seit Jahren keine Diskussion mehr um Kürzungen der realen Ausgaben für den Radverkehr sondern um Erhöhungen des Etats. Da schmerzt es, wenn Radfahrer ständig breitere Wege verlangen und schier unersättlich die Abstellsituation an Bahnhöfen und vor Supermärkten, in Wohnanlagen und an Einkaufszentren beklagen. Es schmerzt doppelt, wenn die benachbarte Kleinstadt Bernau 2013 ein Fahrradparkhaus mit über 500 Plätzen in Doppelstockanordnung errichtet und etwas schafft, was am Berliner Hauptbahnhof nicht möglich scheint, wo Kreuzberger Bügel unter freiem Himmel 4-fach statt 2-fach belegt werden müssen. Es schmerzt, wenn ein Bezirk wie Lichtenberg die Chance auf die erste Fahrradstation der Stadt vertut, weil man sich nicht auf ein Betriebskonzept einigen kann.

Doch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt will den Kampf nicht aufgeben. Der zuständige Staatssekretär für Verkehr und Umwelt, Christian Gaebler, will jetzt neue Strategien zum Fahrradparken erkunden. Am Dienstag stellte er als einen Schritt dazu Doppelstock-Fahrradparker vor, die zukünftigen Entscheidungsträgern und Gremien einen leicht zugänglichen Eindruck für effizientes Fahrradparken vermitteln sollen. Die Senatsverwaltung will mit den Erfahrungen hieraus für Politik und Verwaltung zukünftig eine Planungshilfe bereitstellen. Man darf hoffen, dass sie dies genauso gut erledigt, wie schon bei der Erstellung des immer noch verfügbaren und lesenswerten Leitfadens Fahrradparken aus dem Jahre 2008.

Einen erfahrenen Partner hat der Staatssektretär in der Fa. Orion gefunden, die auch das Fahrradparkhaus in Bernau ausgestattet hat. Seit Mitte der 90er bietet dieser Hersteller sein System in ständiger Weiterentwicklung an, überwiegend bei internationalen Kunden, der Bedarf in Deutschland ist – nun ja, entwicklungsfähig. Wo man das System allerdings einmal kennengelernt hat, ist man scheinbar schnell von den Vorzügen überzeugt.  Am ICE-Bahnhof in Erfurt wurden z.B. 2008 die ersten 260 Stellplätze errichtet und 2012 auf 324 ausgebaut. Nun folgt die Planung für 184 weitere Plätze. Die Schweizer Bahnhöfe in Bern, Basel, Genf und Zürich setzen ebenfalls auf das System von Orion. Allein 2013 hat der Hersteller bei nationalen und internationalen Abnehmern für ca. 10.000  Einstellmöglichkeiten gesorgt.

Die eierlegende Wollmilchsau sind die Doppelstockparker freilich nicht. Etwas kleinere Menschen, Ältere oder anderweitig etwas schwächere Radler werden mit der Nutzung der oberen Reihen trotz der pfiffigen Mechanik ihre Schwierigkeiten haben, manches Rad mit ungewöhnlicheren Abmessungen wird nicht richtig passen wollen. Auch wird in vielen Fällen die Rechnung Doppelstock=doppelte Anzahl Stellplätze im Vergleich zu Kreuzberger Bügeln nicht aufgehen. Für das System benötigt man zumindest etwas mehr Ausrollfläche, so dass beidseitig zu beparkende Kreuzberger Bügel nicht so viel schlechter abschneiden dürften. Für das Gros der Radfahrer und Räder ist das System aber ein gutes Angebot. Mit der parallelen Aufstellung zweier Reihen halbiert sich bereits die Ausrollfläche und so wird man im Einzelfall sehen müssen, wo ein Doppelstockparker die bessere Lösung ist. Die Niederlande, Musterland fürs Radfahren, setzen undogmatisch ebenfalls auf beide Stellplatzvarianten, die jüngst in Utrecht  neu eröffnete Station mit 4.200 Plätzen verfügt dabei zum Großteil über ähnliche Doppelstockparker.

Gewonnen hat Berlin mit diesem kleinen Schritt in jedem Fall. Die Mitarbeiter der zuständigen Bezirksverwaltungen oder die Bezirksverordneten der Verkehrsausschüsse müssen jetzt nicht mehr den Gang nach Bernau antreten, sie können einfach einen dienstlichen Abstecher zur Senatsverwaltung machen – am besten gleich per Rad – und nebenbei auch noch erfragen, ob denn nicht noch ein Printexemplar des Leitfadens von 2008 zu haben wäre… jedenfalls bis die neuen Empfehlungen erarbeitet sind.

Quelle: von seiklmeikl, 11. Juni 2014, Website:mobilmanie.de/allgemein/fahrradparken-kampf-dem-radler-chaos/